Dienstag, 29. September 2015

Erstes Problem und Bushwalk im Regenwald

Guten Abend liebe Fangemeischaft ;)

Ich sitze jetzt grade auf unserer großen Dachterrasse und genieße die Sonnenstrahlen.
Die letzten Tage waren ein bisschen komisch für mich...
Ich gebe ja zu, die ersten vielleicht 2 Wochen war ich echt viel unterwegs, meistens mit Leuten aus der Familie oder aus der Nachbarschaft in der Stadt, weil natürlich will man, wenn man an so einem ganz neuen Ort ist, diesen auch perfekt erkunden. Das hab ich dann also gemacht.
Vor 2 Wochen ungefähr bekomme ich dann von meiner Cousine gesagt, mein Gastvater wär bei ihrer Familie gewesen und hätte sich über mich aufgeregt, dass ich so oft weggehen würde.
Das war erstmal ein Schock für mich, weil die Eltern haben ja immer gesagt "Ja, natürlich kannst du in die Stadt gehen". Nach ein bisschen Bedenkzeit hab ich mir dann überlegt, es ist besser, ich spreche mit ihnen nicht darüber. Wenn sie mich nicht darüber ansprechen, kann es ja schon nicht so schlimm sein.
Ab dem Punkt bin ich vorsichtshalber eigentlich gar nicht mehr vom Haus weggegangen.
Habe dann halt mehr mit den kleinen Brüdern gemacht oder war halt nur im Park vorm Haus.
So dachte ich mir dann, mache ich das ein paar Wochen und dann werden die sich schon abregen.
Naja und dann bekomme ich vor ungefähr einer Woche ne Nachricht von meiner Area-Rep (=Frau, von der Organisation, die hier in der Stadt wohnt), sie muss unbedingt mit mir reden.
Und noch am selben Tag bin ich bei ihr angetanzt und sie erzählte mir, meine Eltern haben sich bei ihr gemeldet und gesagt, sie machen sich Sorgen um mich, weil ich viel zu viel weggehen würde.
Also nochmal ein Schlag gegen den Kopf. Ich habe mich eigentlich nur noch gefragt, warum beschweren sie sich bei jedem über mich nur nicht bei mir??! 
Die Area-Rep konnte dazu nur sagen, die Kultur sei so.
-> Also Ecuador-Merke: Man bekommt viel erst über Dritte mit, was natürlich komplett anders ist, als das Direkte, was wir von Deutschland kennen.
Natürlich habe ich dann auch ziemlich bald mit meinen Gasteltern geredet und das Gespräch ist schon besser gelaufen, als ich gedacht hätte. Wir haben den Kompromiss gefunden, dass ich unter der Woche nicht so oft rausgehe, aber dafür auch mal am Wochenende was mit Freunden abends machen kann.
Jetzt fängt man mal richtig an zu schätzen, wie viel einfacher das mit dem Rausgehen und Freundetreffen in Deutschland ist. Zwei komplett unterschiedliche Kulturen eben.
Aber hat sich nun eigentlich alles geregelt und mit der Familie ist jetzt echt nett.

Ich soll der ganzen Familie Englisch beibringen... So 100% Lust hab ich jetzt ehrlich gesagt nicht, aber ja gut wenn ich hier so sehe wie grauenhaft das mit dem Englisch hier in den Schulen vor sich geht, dann fühl ich mich fast gezwungen dabei zu helfen, dass sich das verbessert, oder wenigstens in dieser Familie.

So jetzt kommen wir mal zum schönen Teil: Ich war jetzt zwei darauffolgende Freitage mit der Klasse in einem Naturreservat etwas außerhalb von Santo Domingo und konnte in nem riesigen Gebiet den Regenwald mit allen möglichen Pflanzen und Tieren entdecken. Wir haben also wirklich so nen richtigen Bushwalk gemacht mit allem was dazugehört. Ich würde sagen, ich berichte jetzt gar nicht mehr davon, sondern lass einfach mal einige Bilder, die ich dort gemacht habe, erzählen. (Ich hab zwar keine Ahnung, was ich da so alles fotografiert habe, aber als Bezeichnung reicht ja Regenwald-Pflanze, oder nicht?)

Darf ich vorstellen: Der tropische Regenwald


Ananasbaum
größte Bambusart der Welt


So ein Regenwald ist doch schon ein bisschen anderer Wald als unsere
(naja ich will jetzt nicht sagen eher langweiligeren, aber doch...) Laub- und Nadelwälder in Europa

Meine erste Kakaobohne!!
(kenne sie sonst nur aus Galileo-Sendungen hahah)


Jawoll, auch Schweine gibts hier im Wald

Jawoll! Rosa Bananen (que linda!)
Wozu zu Aldi gehn, um nen paar Bananen zu kaufen?
Bananenbaumwald
Ich nenne sie die "Männerwurzel" ;)




Liebe überall (oder hat der Affe einfach nur Angst vorm Jona,
der zu nah ran geht, um 's gude Foddo mit de Foddo zu schieße?)


Mit Klassenkameraden am Mataphalo-Baum (Indianer-Style)
Danach waren wir dann nur ein gaaaanz kleines bisschen nass und dreckig



Die 3 Ausländer auf der Schule


Ich erlebe hier also auch echt schon tolle Dinge.
Im November gibts übrigens ne Reise mit meiner Organisation nach Amazonia in den Regenwald, und das ist dann richtig richtig Regenwald. Da freu ich mich schon fett drauf.

Ich entschuldige mich auch grad nochmal bei meinem Angestellten, der für mich diesen Blog schreibt, dass das mit dem grammatisch-richtigen Deutsch bei ihm nicht mehr so klappt.
Also im Ernst wird das für mich schon langsam echt schwierig, passende Sätze zu finden, die zudem auch noch richtig sind. Und ja das feier ich schon auf ne Weise. Ist nen gutes Zeichen :)
Also reescht euch net uff, dass das stilistisch nicht mehr alles so ne 1 hier ist, aber Hauptsache, ihr peilt, was ich euch sagen will. (Falls mal wieder nicht, sofort losfragen!)

In diesem Sinne macht es gut, bis denne
Euer Jona




Freitag, 11. September 2015

Und nun hat sie angefangen - Die Schule

Jetzt war es letzte Woche so weit, mein Auslandsjahr hat endgültig angefangen. Damit meine ich, dass jetzt auch die Schule in Ecuador in mein Leben getreten ist.
Vor allem das erste Mal für mich, dass ich so richtig schick zur Schule gehe... (siehe Uniform letzter Post)

Ich fang einfach mal ganz von vorne an.
Und ganz vorne heißt: Aufstehen. Ich muss um 6 Uhr aufstehen (ne ganze Stunde früher, als in Deutschland gewöhnt), um dann um 6:45 Uhr loslaufen zu können. Die Schule (namens „Colegio Menor Uniandes“) liegt vielleicht so mas o menos (ungefähr) 3km entfernt, aber ich nutze die Chance und laufe eigentlich immer dorthin und wieder zurück, weil sonst fahren wir ja immer nur überall mit dem Auto hin und da ist es schon mal ganz entspannt durch die Stadt zu trotten. Eine Lehrerin hat mich zwar schon gewarnt, der Weg sei zu gefährlich, aber naja was soll man machen, ich hab auch ehrlich gesagt keine Lust da morgens in einem der randvollen Busse zerquetscht zu werden. Und außerdem laufe ich auch mit Marie immer in die Schule. Sie ist eine andere Austauschschülerin auch aus Deutschland und ist in meiner Klasse.
Wir laufen dann also so ne halbe Stunde und um 7:15 Uhr geht’s dann los.

Montags ist erstmal Morgenprogramm angesagt. Ich kannte das immer nur aus Filmen, aber nun ists Realität. Wir müssen uns immer montags in Reih und Glied vor dem Direktor aufm Pausenhof aufstellen und er hält erstmal ne Rede. Zwar verstehen tu ich so gut wie nichts, aber irgendwann müssen wir dann wie im Militär nen Seitschritt machen und die Nationalhymne Ecuadors singen.
Danach wird die Uniform gecheckt und dann geht’s auch schon los...

Erstmal muss ich sagen, dass Menor Uniandes im großen Gebäudeteil ne Universität ist und nur im etwas kleineren Nebengebäude aus Grundschule und High School besteht.
Daraus kann man schließen, dass die Schule nicht allzu groß ist. Nicht allzu groß heißt: Pro Jahrgang nur eine Klasse mit so 10-15 Schülern.
Zwar ist die Klasse echt nett, aber sind halt echt nicht viele dabei, mit denen man sich anfreunden könnte. Aber naja, werden wir ja alles noch sehen...



Zu meiner Klasse – was wirklich anders ist als in Deutschland ist, ist dass in meiner Klasse alle Altersstufen von 16 bis 20 vertreten sind. Fragt mich nicht wieso. Ich hab keine Ahnung ob man so oft sitzenbleiben kann oder sonstwas...
Meine Klasse+das kleine Klassenzimmer-geht übrigens nach hinten nicht weiter
So und dann kommt der Burner, vor mir sitzt ein Mädchen - man muss dazu sagen, sie wurde grade erst 16 – ist hochschwanger und bekommt diesen Monat ihr Baby. Mindestens noch einer, wovon ich weiß, ist Vater.
Naja davon kann man sich jetzt selber seine Meinung bilden... 
Ich glaube, wir sind zwar nur 14 Schüler, aber dafür ist der Klassenraum trotzdem total klein. 5x5 Meter vielleicht.

Also zum Unterricht kann man grob sagen, vom Niveau ist das echt eher traurig, was man hier lernt, wenn man mit Deutschland vergleicht. Die Lehrer kommen eher so, wann sie wollen und wenn sie dann mal da sind, wird größtenteils nur über private Themen gesprochen und am Ende nochmal ein paar Minuten dem Unterrichtsinhalt gewidmet.
Ich bin übrigens im vorletzten Jahr (heißt glaube ich „Segundo Bachillerato“ oder einfach „Quinto curso“) hier vorm Abschluss und man kann die Themen so mit der 8. oder 9. Klasse in Deutschland vergleichen.

In allen Stunden verstehe ich echt noch nicht sehr viel, aber mit Mathe und Physik und so komm ich echt klar (weil das ja auch alles Themen sind, die ich in Deutschland schon zum tausendstenmal durchgekaut habe und in den Fächern kommt es ja mehr auf Zahlen als auf Sprache an).
Als dann Englisch anstand, war ich erstmal geschockt wie lange nicht mehr. Wirklich nicht einer bekommt hier auch nur einen einzigen richtigen Satz auf die Reihe ohne ihn sich vorher ne Minute vorzulegen.

Selbst die Englischlehrerin hat Englischkenntnisse von nem deutschen 6. Klässler ungefähr. Also so gut wie nichts. Sie ist aber total sympathisch und gibt das selber zu, wenn sie uns beide Deutschen Englisch reden hört. Sie meinte, wir sollen ihr Englisch beibringen, dann bringt sie uns Spanisch bei. Nettes Angebot schonmal.

Ansonsten gibt es hier in der Schule manchmal einfach Tage, an denen die ganze Schule in Teams Fußball, Volleyball oder Basketball spielt. Was mich total freut, ich werde total integriert und durfte schon im Basketball- und im Volleyballteam mitspielen (obwohl ich in beiden eher so mäßig bis mangelhaft bin...).
Der Schulhof-wird viel Wert auf Sport gelegt 
Uff und das ist anstrengender, als ich mir das vorgestellt habe. Erstens habe ich mich bestimmt seit über einem Monat nicht mehr richtig bewegt und zweitens bei Temperaturen von so 32 Grad, Sonne und Schwüle kommt man dann doch echt mal ins Schwitzen. Da hätte man dann schon mal Lust ins schuleigenen Schwimmbad zu springen.
Apropos Sport: Mein Gastvater Gustavo, meine Cousine Enid und ich machen am Ende des Monats bei einem Triathlon in Manta (das ist eine Küstenstadt) mit. Enid schwimmt, Gustavo radelt und ich muss im Anschluss verdammte 10km laufen... Ehrlich gesagt hasse ich sowas von joggen, aber auf so nen großen Triathlon hab ich schon Lust mal teilzunehm. Eigentlich müsste ich halt trainieren, aber irgendwie hab ich keine Zeit und kann mich auch net so richtig aufraffen. Aber Jona, das packst du schon!

Jawoll, ich habe jetzt meinen ersten festen Termin jede Woche. Und zwar gehe ich jetzt immer freitagabends Streetfußball spielen. Zwar sind die alle so 20-40 Jahre alt, aber es macht richtig Spaß, weils dann mal so richtig zur Sache geht. Naja und ich bin ja sowieso der Größte. Also macht der Altersunterschied eigentlich nichts mehr aus. Danach gehn wir dann immer was Essen oder Trinken.
Einen Termin in der Woche zu haben gefällt mir total, weil so kommt jetzt peu a peu immer mehr Alltag in mein Leben, und so solls ja sein :)

Letzten Samstag durfte ich dann was echt cooles typisches miterleben. Eine "Quinceanera". Könnt ja mal raten was das ist... Ich wusste es auch nicht. Es ist der 15. Geburtstag. Und der wird sowas von krass gefeiert. Ambiente und Größe ist vergleichbar mit einer Hochzeit. Mir ist bis heute nicht klar, wer und wie man darauf kommt, genau den 15. Geburtstag so zu feiern, aber so richtig konnte mir das auch keiner erklären... Denke mal, das hat etwas mit Erwachsen werden zutun (ist ja so ähnlich wie bei uns mit der Konfirmation).
Ich wurde dann also von meiner Nachbarin eingeladen und habe mich riesig gefreut, da ich dort auch viele neue Menschen kennenlernen konnte.
Quinceanera - 15. Geburtstag
Man hat ohne Witz von 21 bis 2 Uhr nachts durchgetanzt (Herzlich Willkommen, ich bin in Lateinamerika gelandet), natürlich habe ich mir das nicht entgehen lassen und den ganzen Abend nur getanzt.
Die Mädels hier lieben es total, mir hier Salsa, Bachata und Co. beizubringen. Hier hört man, anders als bei uns, nicht viel Elektro-Mucke, sondern wirklich fast nur Latinomusik (wie z.B. Reggaeton) und dabei wird bekanntlicherweise der komplette Körper bewegt, was einen bei den Witterungen verdammt zum Schwitzen bringt. Tanzen ist hier ne ganz intime Sache und man kommt anderen echt Nahe.
Dabei habe ich ein echt nettes Mädchen kennengelernt. Verstehn uns sehr gut, den Rest werden wir sehn
(und Kiki, ja du bekommst natürlich die exclusivsten Details)...

Ansonsten geht mir das Essen langsam echt auf den Sack (Sorry für die Ausdrucksweise...).
Brauchst du Reis? Habe ein kleines Angebot im Supermarkt parat
Das Land hat an sich sooooo viel verschiedenes exotisches und spannendes Essen parat, aber in unserer Familie gibts jeden Tag 3 Mahlzeiten und ohne Witz, alle bestehen (wie schonmal berichtet) aus Reis, Fleisch und Bohnen, wirklich alle. Ich bin jetzt 3 Wochen und habe bis jetzt nichts anderes im Haus gegessen. Ich habe aber schon mit Vielen darüber geredet und die haben alle gesagt das gäbs normalerweise so nicht in Ecuador.

Diese Essenstradition soll eher aus Kolumbien kommen, mein Vater kommt ja daher.
Einige Familien hier haben zuhause gar keine Küche, weil sie immer nur auf der Straße essen. Essen ist hier wirklich sowas von billig. Du bezahlst in nem Restaurant wenn du Essen gehst mit Getränk und überfressen-sein pro Person so 3 Dollar. Und das ist im Restaurant. Auf der Straße bekommt man für 1-2 Dollar nen Hauptgang.
Was ich eigentlich schon am meisten vermisse, ist dunkles Brot.
Es gibt hier zwar viele Bäckereien, aber man kann ausschließlich nur helles Brot und trockene Brötchen kaufen. Und das fehlt mir hier mehr, als ich jemals gedacht hätte (ehrlich gesagt habe ich da niemals dran gedacht...).
Zitat Onkel Märtel aus Deutschland: "Also meine Recherche hat ergeben, es gibt keinen Roggen in Ecuador, somit kein dunkles Brot." Damit sind dann auch alle Hoffnungen entschwunden.

So zum Schluss kann ich einfach nur noch sagen, dass ich hier echt total glücklich bin und mich echt schon an eigentlich alles gewöhnt habe (das mit dem Essen und so wird auch schon noch). Die Leute hier machen einem dies aber auch leicht.
Zum Beispiel gehe ich mal abends kurz in den Park vor unserer Tür, um eigentlich nur zu schauen, aber keine Minute später wird man gefragt, ob man Basketball mitspielen will. Und schon hat man den ganzen Abend was zu tun und kann wiedermal Freundschaften schließen.
Ich bin so froh, das hier zu machen. Vorallem bin ich ich überwältigt von meinen Sprachkenntnissen (#keinEigenlob). Ich habe in diesen 3 Wochen schon so viel gelernt und kann jetzt auch schon meine ersten tiefgründigeren Konversationen führen. Zuhören und verstehen geht ja noch einfacher.
Also hoffe dann mal, dass ich in 10 Monaten als Spanisch-Crack zurückkomme...

Hier nochmal ein paar Fotos:


Jona verkauft Polaca (dieser Milchshake
da vom Papa) auf einem Schulfest

Ja, das ist das Frühstück (Desayuno) hier
nicht geeignet fuer europaeische Maegen...

Der Hausberg Bomboli mitten in der Stadt gelegen - Werde ich mal aufsteigen, soll einen tollen Blick ueber die Stadt geben
Bei der Arbeit von meinem Cousin
-Der Jona, der hat die Reifen im Griff
Gustavo Andres und Juan David beim wasauchimmer machen



Hier gibts echt viele so Parks, in denen man ganz entspannt seine Zeit verbringen kann (aja und wie hier gibts auch immer was zu sehn)


Abendstimmung vorm Haus

Fängt alles hier für mich echt gut an und bin gespannt wies so weiter geht in meiner Geschichte, die ich jeden Tag weiter miterleben darf.
Bis dahin glückliche Grüße vom Jona aus Ecuador.