Mittwoch, 8. Juni 2016

Das alles soll jetzt bald vorbei sein?

Wir sind im Juni angelangt. Der Monat ist da. Der Monat der Abreise.
Das alles. Dieses ganze Jahr. Diese Heimat. Dieser gewöhnte Alltag. Dieses zweite Leben. Ecuador.
Das alles soll jetzt bald vorbei sein?
Es bleiben noch 14 Tage - 2 Wochen - 1/2 Monat - 0,04 Jahre - 5% meines Jahres bleiben mir noch.
Dann ist Schluss.
Diese Zahlen schießen mir immer wieder in den Kopf und bringen mich zum Nachdenken.

Freue ich mich? Bin ich traurig? Was will ich eigentlich?

Wie ich mich fühle, das ist super schwer zu erklären. Ich habe so viel Zeit hier verbracht und dabei so viel erlebt, so viel gelernt, so viel Neues entdeckt und so viele Leute kennengelernt.
Da ist der Gedanke natürlich unvorstellbar, das alles hinter sich lassen und wieder in das "alte", irgendwie anstrengende Leben zurückkehren zu müssen.
Ecuador, das ist für mich wie ein anderes Leben, ein zweites Leben.
Die andere Sprache, die andere Kultur, die anderen Menschen, die einfach andere Welt macht das alles zu einem zweitem Leben.

Ich habe Angst, dass mir dieses Jahr in Deutschland irgendwann nur noch wie ein kurzer Traum vorkommt. Dieser Traum war zwar wunderbar und der Beste den ich je hatte, aber Träume vergehen und irgendwann erinnert man sich nur noch wage und selten an diesen Traum.
Sonnenuntergang in Santo Domingo
Ich fürchte, dagegen kann man nichts tun.
Ich weiß aber, dass ich diesen Traum niemals ganz vergessen werde und dass ich eine zweite Heimat auf der anderen Seite dieser großen Welt habe.
Darauf bin ich stolz.
Ich bin stolz auf mich selber, wie ich das alles geschafft habe, in eine andere Welt zu kommen, ohne große Sprachkenntnisse, ohne Plan, nur mit dem Willen und der Motivation etwas komplett anderes, die ecuadorianische Kultur, kennenzulernen.

Es ging nicht immer nur glatt, da war zum Beispiel der Schul- oder der Familienwechsel.
Probleme, an denen bin ich gewachsen und ich glaube, ich komme als sehr viel reifere Person wieder zurück nach Deutschland.
In den 10 Monaten habe ich Ecuador von allen Facetten kennengelernt und habe viel aus der südamerikanischen Kultur gelernt, die für einen Europäer in der ersten Zeit verdammt merkwürdig und komisch vorkommen mag. Mit der Zeit versteht man sie aber immer mehr und mehr und ich identifiziere mich schon sehr mit dieser Kultur.
Zum Beispiel bin ich ein sehr entspannter Mensch geworden, was Pläne und Vorhaben angeht. Ich plane mir meine Zeit nicht so gerne ein, ich lasse lieber alles auf mich zukommen und schaue spontan, wie was funktionieren kann.
Auch bin ich nicht mehr sehr nachtragend. Wenn etwas passiert ist und man es nicht mehr ändern kann, dann ist es passiert und gehört der Vergangenheit an. Warum also so viel daran nachtrauern? Das Leben geht weiter.
Ich wurde also ein wenig zum Latino, und ich glaube, das könnte in Deutschland der ein oder anderen Person auf die Nerven gehen (Grüße dabei vor allem an Mama, du bist dabei ja nun schon ein richtiger Profi).

Alles in allem war es das beste Jahr meines Lebens, da bin ich mir sicher. Ich denke, das habe ich euch in der letzten Zeit hoffentlich verständlich nahe gebracht.

Es wird also verdammt schwer, mich von all dem zu verabschieden und meine Rückreise anzutreten, trotzdem ist dabei auch immer noch ein großer Teil in mir, der sich wieder total auf Deutschland freut.
Auf die Familie, auf die alten Freunde und auf das geordnete Leben. Einfach wieder da sein, wo man geboren ist und immer gelebt hat. Obwohl man mir immer sagt "Jona, du bist ein typischer Ecuadorianer!" und ich mich auch sehr so fühle, bin ich doch immer noch Jona, der in Deutschland seine "echte" Heimat hat und das Leben dort vermisst.
Mein Zuhause - Santo Domingo de los Colorados
Gemischte Gefühle also. Ich komme damit klar, mein Jahr in Ecuador geht vorbei. Mir bleiben aber für immer Erinnerungen, Fotos und Freundschaften. Diese Zeit hat mich sehr geprägt und ich bin so dankbar, dass ich diese einzigartige Erfahrung erleben durfte.

Ich bin verliebt in mein Land Ecuador, ich fühle mich vor allem hier in Santo Domingo zuhause.

Grüße aus dem immer noch weit weit entfernten Südamerika.
Bald habt ihr mich dann also wieder am Hals, ich freue mich drauf!

Euer Jona


Donnerstag, 28. April 2016

Was ist bei uns los?! Erdbeben trifft unser Ecuador

Hallo meine Lieben!
Da bin ich schon wieder. Dieses Mal mit einem leider etwas anderen Blogeintrag. Ich weiß überhaupt nicht so richtig, wie ich das jetzt alles so aufschreiben kann. Über Trauriges zu erzählen, das bin ich nicht gewöhnt und musste gottseidank auch noch nie über ähnliches in meinem Blog berichten. 

Küstenstadt Pedernales nach dem Erdbeben
Wie ihr bestimmt jetzt auch alle in Deutschland mitbekommen habt, traf vor fast zwei Wochen, am Abend des 16. April, ein Erdbeben der Stärke 7,8 der Richterskala auf Ecuador und zerstörte viele Häuser, einige Küstenstädte sind völlig verwüstet und es gibt tausende Betroffene und Opfer (aktuell: 660 Tote, 17638 Verletzte, 42 Vermisste und 113 aus den Trümmern Gerettete).




Erdbebenzonen
(wie man sieht, ist Santo Domingo gerade so von dem
schlimmsten verschont geblieben)
 Das Epizentrum und die betroffensten Städte sind etwas mehr als 100km von meiner Stadt Santo Domingo entfernt. Also wirklich gar nicht so weit entfernt, aber glücklicherweise ist hier nicht allzu viel passiert. Es sind zwar mehr als 200 Häuser in unserer Umgebung eingestürzt, die Zahl der Toten ist aber wirklich eher niedrig.

In dem Moment in dem die Erde wackelte, war ich gerade mit Freunden in einem Einkaufszentrum in Quito, also weit (so 200km) entfernt von allem. Sogar bis dahin hat man es heftig gespürt.
Wir mussten das komplette Einkaufszentrum evakuieren, sonst ist aber nichts großartiges passiert dort.
Im ersten Moment sind wir alle davon ausgegangen, dass es ein ganz normales Beben war, wie das hier halt manchmal so passiert. Später wurde uns dann alles klar und in allen Medien war nur noch Rede von diesem einen Erdbeben. Die Zahlen der Toten und Vermissten wurde immer größer.


viele Verbindungsstraßen sind völlig zerstört
(in einigen Orten werden deswegen die Lebensmittel knapp)
Bei meiner ganzen Familie und mir ist alles bestens, wir haben echt Glück gehabt.

Ein Mädchen aus meiner Organisation, die in einer der betroffenen Hafenstädte gewohnt hatte, hat leider nicht so viel Glück gehabt. Niemand konnte Kontakt zu ihr oder ihrer Gastfamilie aufbauen. Nach 3 Tagen Hoffen und Bangen kam dann die traurige Gewissheit ans Licht, unsere Freundin Nene aus unserer Austauschgruppe ist mitsamt ihrer ganzen Gastfamilie gestorben
(- Link zu Zeitungsartikel -).
Eine Bekannte zu verlieren, die in Ecuador genau das selbe gemacht hat wie man selber (nämlich ein Auslandsjahr, um Land und Leute kennenzulernen), ist ziemlich hart.

In jeder Stadt des Landes gibt es überall Möglichkeiten,
die nötigen Spenden abzugeben
Was mich total froh macht zu sehen, ist die Hilfe und den Ehrgeiz, den das ganze Land hat, um zusammen aus der ganzen Situation wieder herauszukommen. Alle packen mit an, Spenden, Organisieren, fahren in die Krisengebiete, Helfen, Retten und versuchen jetzt dieses schöne Ecuador wieder aufzubauen.
Auch ich helfe, wo ich kann.
Vor einigen Tagen bin ich mit Freunden, einem LKW voller Spenden (Kleidung, Essen, Trinkwasser) und einem Arzt losgefahren in die betroffenen Orte nahe unserer Stadt.
Diese ganzen kleinen "Kuhdörfer" werden leider oft total vergessen, da in den Medien natürlich immer nur von den großen und heftigsten zerstörten Städten berichtet wird oder es einfach keine befahrbare Zugangsstraße mehr zu den kleinen Dörfern gibt.
Eine traurige, aber auch schöne Erfahrung.

Trauriger Anblick, immer die zerstörten Häuser zu sehen. Es trifft leider oft die armen Familien, da ihre Häuser eben nicht erdbebensicher gebaut wurden. Diese Leute zu sehen, die vorher kaum etwas hatten und jetzt mit gar nichts mehr vor ihrem eingestürzten Haus schlafen müssen, bringt einen echt zum Nachdenken, gibt einem aber auch einen starken Motivationskick weiter anzupacken.
Das Erdbeben hat übrigens 4 Milliarden $ Schaden in Ecuador hervorgerufen, wovon leider nichtmal 20% versichert waren. Ein starker Schlag gegen das Land. Normalität wird hier lange nicht einkehren.

In meinem Jahr hier in Ecuador habe ich die Möglichkeit gehabt, fast alle vom Erdbeben betroffenen Städte kennen zu lernen. Damals waren sie alle noch "heil und ganz".
Für mich ist es schwer, sich jetzt vorstellen zu müssen, dass all diese schönen Orte, wo wir hingereist sind, um Urlaub zu machen, sich zu entspannen und Spaß zu haben, jetzt zerstört sind und nichts mehr so ist wie damals.
Dauernd sieht man Bilder in den Nachrichten und es kommt mir immer noch alles so irreal vor.

Weiterhin gibt es dauernd Nachbeben. Seit dem Hauptbeben, wurden noch weitere (aktuell) 900 Nachbeben registriert. Von denen können wir hier in Santo Domingo nur die stärksten
spüren, wie zum Beispiel vor ein paar Tagen ein Beben von 6,3, bei denen wir auch immer schnell das Haus verlassen müssen.
Meine Familie ist bestens ausgestattet mit Notrucksäcken und alles was man so braucht.
An sich finde ich, dass unser Haus echt modern und sicher ist. Also könnt ihr alle beruhigt um uns sein ;)
Die letzten 8 Wochen werde ich hier also ganz sicher überstehen und dann wieder fresh nachhause kommen.

Das Einzige, was wir nun machen können, ist zusammenhalten und mithelfen wo Hilfe gebraucht wird.
Ecuador ist jetzt natürlich (noch schlimmer als vorher) finanziell komplett geschwächt.
Hier ist man also auf jede einzelne Spende angewiesen, sodass weiter geholfen und aufgebaut werden und hier so schnell wie möglich wieder ein wenig Normalität einkehren kann.
Ich habe mich mal kundig gemacht, eine gute deutsche Spendenorganisation zu finden, bei der die komplette Spende auch wirklich bis hier in die Ferne nach Ecuador ankommt und wo man im Gegenzug eine Spendenbescheinigung bekommt.
Bin dabei auf diese beiden Organisationen gestoßen:

CARITAS International
-> Link zum Spendenaufruf für Ecuador:
http://www.caritas-international.de/hilfeweltweit/lateinamerika/ecuador/ecuador-erdbeben?show=situation

DIAKONIE Katastrophenhilfe
-> Link zum Spendenaufruf für Ecuador:
http://www.diakonie-katastrophenhilfe.de/hilfe-weltweit/uebersicht-aller-projekte/erdbeben-ecuador.html

Wenn jemand spenden möchte, kann er dies am Besten bei diesen 2 Organisationen machen oder auch sonst woanders, Hauptsache die Hilfe kommt hier an. Das würde mich sehr glücklich machen.
Es ist wunderbar mit anzusehen, wie hier alle den Stolz gegenüber ihrem Land Ecuador bewahren und alles geben, damit das hier, dieser Alptraum, der alle unerwartet an diesem Samstagabend überwältigt hat, endlich aufhört.


Wir sind extra nochmal nach Quito gefahren,
um ein perfektes Foto am Äquator zu schießen.
Meiner Meinung nach waren wir verdammt erfolgreich!
Mir geht es gut! Ich passe auf mich auf.

Man weiß nie, was im Leben auf einmal so passiert.
Also passt bitte auch auf euch auf.

Wir sehen uns in 8 Wochen (das klingt irgendwie nur noch wie ein langer Sommerurlaub...).


Bis dann, euer Jona

Sonntag, 27. März 2016

3 Monate Ferien = schönes Leben

Gude,

Da melde ich mich doch endlich mal wieder. Ob man es glaubt oder nicht, ich lebe doch noch und kann euch weiter berichten. 

Endlich ein Familienbild
v.l.: Bruder Wilo, Papa Wilo, Ich, Mama Miriam, Bruder Diego, Oma Elsita
Es ist nun mal Ferienzeit und das bedeutet viel Zeit, aber den Blog vergisst man dann doch einfach mal so.
So ein Ferientag sieht bei uns in der Regel immer ähnlich aus: Ich mache wirklich alles mit meinem Bruder Diego. Wir verstehen uns richtig gut, perfekt kann man schon sagen. Leben in einem Zimmer zusammen und das ist sogar entspannter, als ich mir gedacht habe. So hat man immer einen zum Reden, zum Nerven, zum Lachen. 

Mit Freunden in Ecuadortrikots stehen wir der "Seleccion"
(ecuadorianische Nationalmannschaft) immer bei
Unser Ferientag also: Wir stehen irgendwann mittags auf, entdecken etwas Essbares, essen, entspannen, nichts tun, abends dann mit Freunden treffen, wir finden immer irgendwas zum Anstellen, zusammen den Abend verbringen, oft bis in die Nacht bis in den Morgen, nachhause kommen, schlafen, mittags aufstehen.... Und immer so weiter. Manchmal verbringen wir den Tag auch in unserer Finca.
Eben genauso wie Ferien sein müssen. Diese Zeit genieße ich einfach sowas von und ich sage, dies ist die beste Zeit hier, auch wenn ich Schule und die Leute da doch ein bisschen vermisse...
(ein ganz kleines bisschen). 


Ferien, 3 Monate lang, das ist doch was Wunderbares. Und nein mir wird eigentlich nie langweilig, wie ich vorher immer gedacht hatte, dass mir diese 3 Monate dann doch ein wenig lang werden könnten.
Nichts von allem dem. Verbringe die Zeit ja auch noch mit einigen Reisen.

Meine letzte Reise war ein Trip mit der Organisation und es ging auf Vulkanreise / Ruta de los Volcanes.
Wir haben einmal das Gebirge, also die Anden vom Norden bis in den Süden mit einem Bus und einem Guide durchfahren und haben so verdammt viel gesehen. Mit den Freunden von YFU wurde die Reise wirklich zu was Wunderbarem und Einzigartigen. Es hat total Spaß gemacht. 
Vulkan Tungurahua ist am spucken,
wir sehen live zu
Vulkanreise heißt natürlich Vulkane sehen. Wir hatten aber mal wieder wirklich Glück, dass wir gerade in dem Moment am Vulkan Tungurahua waren, als dieser ausbrach. Das war dann nach dem Cotopaxi (am Anfang meines Jahres hier) der zweite Liveausbruch, den ich miterleben durfte.

Ecuador (=spanisch: Äquator)
Uns beide trennt nur die Äquatorlinie
(sie auf der Nordhalbkugel,
ich auf der Südhalbkugel)
Vom Hausberg Pichincha - Blick auf Quito



Mit der YFU-Gruppe in der Altstadt Quitos

So läuft man hier als 100%iger Ecuadorianer immer noch rum,
Die altbekannten Trachten sind also weiterhin topaktuell
Laguna Cuicocha
(Vulkankratersee)
typisch ecuadorianisches Straßenbild






von links: Lama, Jona, Lama
(man könnte mich ja sonst mit denen verwechseln)
An originalen Ruinen von den Inkas
- in Ingapirca -





Condor Cocha - Lagune
unterhalb des Gipfels des Chimborazo (mit 6310m Punkt der Erde, der am nähesten an der Sonne liegt)
-wir sind bis stolze 5100m gekommen, wo die Luft dann langsam echt sehr dünn wird und man sich ein wenig bekifft fühlt

Was soll ich jetzt wieder alles groß beschreiben (wer weiß, ob ich das überhaupt könnte)?
Genau für diesen Fall haben Finja, eine supergute Freundin von YFU, und ich ein kleines Video gemacht.
Wurde wirklich ziemlich gut und bin ehrlich gesagt doch auch ziemlich stolz auf uns, dass da so was geiles draus raus gekommen ist.
Ruta de los Volcanes

Falls wieder mal diese Frage aufkommen könnte: Nein, Finja und ich sind nur Freunde, auch wenn wir so süß zusammen sind, das sind wir sowieso von Natur aus. Haben uns einfach ganz dolle lieb, mehr aber nicht hahah ;) 

Ich glaube nach dem Video brauche ich nicht mehr zu erklären, wie geil diese Reise einfach war.
Nur die Kälte war ich schon gar nicht mehr gewöhnt. Mit unseren täglichen 28 Grad hier in Santo Domingo ist alles ab 20 Grad abwärts doch schon unangenehm kühl. Jetzt denkt ihr doch bestimmt, wie kann man diese Temperaturen schon kalt empfinden, wenn doch bei uns in Deutschland diese Temperaturen heißester Sommer bedeuten. Aber nein wirklich, ich habe mich schon total an unsere 28 Grad und 100% Luftfeuchtigkeit angepasst.
Jetzt will ich aber mal nicht nur übers Wetter reden, das heiße ja sonst, es gäbe nichts mehr zu sagen, aber das ist nicht so.

Wie ich irgendwann vielleicht schon mal erwähnt habe, es kommen Freunde aus meiner deutschen Schule in einem einmonatigem Mini-Austausch hierher nach Quito.
Auf einmal nicht mehr mit Latinas,
sondern mit deutschen Chicas
Und diese Freunde sind jetzt schließlich angekommen und ich habe mich dann wirklich mal dahinbewegt, um die alle dort in Quito zu besuchen.
Es war so schön, aber auch wieder komisch, auf einmal die alten Freunde zu sehen und dann auch noch so weit entfernt (übrigens genau 10.000km) von Deutschland.
Auf einmal sprachen alle um mich herum wieder deutsch. Das war schon ungewohnt für mich.
Habe mich in allem aber total gefreut, die alle dort sehen und ein wenig Zeit mit ihnen verbringen zu können.


In der Finca das Osterfestmahl genießen
Ansonsten sind wir gerade genau wie ihr in der "Semana Santa", in der Osterwoche.
Bis ich kapiert habe, dass mit Semana Santa (heilige Woche) Ostern gemeint ist, war Ostern eigentlich schon da. Hier gibt es das eben alles nicht mit Eiern, Osterlamm und Schokohasen.
An Ostern finden hier in einigen Städten Prozessionen statt, in der Regel von einer Person angeführt, die als Personifikation Jesus das Kreuz auf dem Rücken trägt. Natürlich wird hier wie zu jedem Fest groß gegessen und es gibt typische Speisen. An den Ostertagen gibt es hier kein Fleisch, es werden eher traditionelle ecuadorianische Gerichte gekocht, wie zum Beispiel die "fanesca" (Suppe, bestehend aus 12 verschiedenen Getreidesorten) oder "empanadas" (gefüllte Teigtaschen).


Das wäre es dann schon wieder von mir. Hier bei mir in Ecuador ist also alles entspannt in den letzten Monaten.
Habe mich perfekt in die Familie eingelebt und fühle mich total zuhause hier, es läuft wie ich es mir immer gewünscht habe.
Die nächsten kleinen Reisen kommen bestimmt bald. Ich werde berichten.
Bleibt alle gesund und munter dort auf der anderen Insel, genießt das pünktlich zu Ostern eingetroffene Frühlingswetter und grüßt mir den Osterhasen von mir, der es bis hier nach Südamerika ja anscheinend nie geschafft hat.


Felices Pascuas! Frohe Ostern!
Euer Jona

Donnerstag, 18. Februar 2016

Karneval dieses Jahr nix mit "Alaaf!" und "Helau!"

Mis amigos - Meine Freunde
Helaaaaau! Da bin ich schon wieder.

Jetzt ist die Karnevalswoche vorbei und ich kann euch endlich mal berichten, wie man hier so abgeht. Es ist nämlich hier doch alles wieder mal ein bisschen anders. Natürlich wird so wie in Deutschland immer schön gesoffen an Fasching. Allgemein finden die Ecuadorianer immer irgendwas zum feiern, um dann einen Grund zu haben, um zu saufen. Ehrlich gesagt ist mir das auch ziemlich sympathisch.




Die erste Tradition ist noch ziemlich gleich mit dem Kölle-Faschings-Radau. Faschingsumzug.
Mit meinem "Ex-"Cousin (so muss ich das ja jetzt irgendwie beschreiben immer mit dem "EX"...) haben wir hinten in dem roten Ford Pick-Up-Klassiker von meinem Ex-Papa die Prinzessin von Santo Domingo wortwörtlich abgeschleppt und hinten in den Lader verstaut, um sie dann auf dem Umzug zu präsentieren.
Als Blonder war ich mal wieder eine riesen Attraktion auf dem Umzug und alle haben mich wie schon gewohnt angestarrt, als käme ich aus einer anderen Welt (ja gut, für die meisten hier ist Europa eine andere Welt).
Man denkt, wenn man angestarrt wird, dass man ansonsten in Ruhe gelassen wird.
Auf dem Umzug - Reste von einer Schaumschlacht (Espuma)
Aber nein, damit kommen wir schon zur zweiten Tradition. An Karneval hat jeder verdammte Mensch auf der Straße ein Schaumspray (Espuma) bei sich und damit wird dann eine riesen Schaumschlacht veranstaltet.
Nicht nur mit Schaum, sondern auch mit allem anderen möglichen Scheiß, wie Farben, die schwer wieder rausgehen, wird sich beworfen und gefärbt. Ich fand das eigentlich was richtig cooles, weil man wirklich jede Person nass machen konnte und sich nie jemand beschwert darüber.
Mit kleinen Tsachila-Mädchen (Ureinwohner aus St. Dmg)


So ist einfach Ecuador. Den Menschen macht sowas nichts aus, sie wollen einfach nur Spaß am Leben haben. Auch deswegen liebe ich dieses Land und die Menschen sowas von.




Die dritte Tradition hier an Karneval ist, dass man an den Strand fährt und da dann mit Bergen von Menschen mega Fiestas veranstaltet. Das habe ich mir natürlich mit meinem Bruder und meinen Freunden nicht entgehen lassen und kurzerhand haben wir uns mit dem Bus nach Canoa an den Strand gewagt.
Wunderschön der Strand und das Meer dort, aber wir sind ja wegen dem Feiern dorthin gefahren.
Wir hatten eine verdammt geile (@Papa: wohlschmeckende) Nacht mit vielen Menschen, bester Stimmung, Discos, Bars und Konzerten (wieder mal mit allen vorstellbaren Musikrichtungen: Salsa, Bachata, Reggaeton, Salsachoke, DJs...) direkt auf dem Sand. Man kann gar nicht erklären, was das für ein krankes Gefühl ist, bei den chillgsten Beats direkt auf dem Strand, auf dem Sand neben dem rauschenden Meer zu tanzen und abzugehen.












...Canoa tagsüber...
                          ...und Canoa nachts...




Das war einer der besten Nächte, die ich hier hatte. Eigentlich wollten wir noch einen Tag bleiben, aber am nächsten Tag waren wir so fertig vom vielen Tanzen (endlich mal wieder einen schönen Hangover gehabt), dass wir dann am Nachmittag doch wieder nachhause gefahren sind...






Die vierte Tradition ist, dass man mit der Familie ein kleines Familienfest (die Familien sind immer so riesig, dass es sowieso immer ein riesen Fest wird) veranstaltet.
So haben wir uns mit der Großfamilie in unserer Finca getroffen getroffen, um dort den Tag zusammen zu verbringen.
Anlässlich der Feierlichkeiten haben wir gerade mal so eins von unseren Schweinen geschlachtet, zerlegt, gegrillt und schon direkt ein paar Stunden nach seinem Tod gegessen. Frischer geht es nicht. Und das Fleisch schmeckt noch besser, wenn man kurz vorher noch mit dem Schweinchen gespielt hat und es fröhlich vor einem rumgegrunzt hat (Grüße an unsere Vegetarier; besonders an meine liebe Patentante Biggi, die mir dafür jetzt bestimmt die Patenschaft kündigt).
Erst Schwein geschlachtet und dann mal wieder selber untereinander eine Schlacht veranstaltet. Dieses Mal aber nicht nur mit Schaum und Farben, sondern auch Schlamm in unserer eigenen Schlammgrube auf der Finca. Lustig war es, bis ich dann auch an der Reihe war...





Am Abend wurde natürlich, wie immer bei Feiern hier, wild getanzt. Tanzen und Südamerika gehört einfach zusammen und ich habe mich so sehr in Tanzen verliebt. In Deutschland braucht man bei Festen erstmal eine Menge Alkohol, bis sich endlich mal der erste erhebt, auf die Tanzfläche geht und anfängt zu tanzen (falls man das Tanzen nennen kann). Hier braucht man das alles nicht (okey, ja es wird auch viel getrunken, ist aber nicht notwendig), hier wird einfach getanzt.
Ich als Deutscher konnte nie so richtig tanzen, bin jetzt aber hier sowas von Ecuadorianer geworden, wie alle meine Freunde und Familie sagen, dass mein Körper einfach tanzt, wenn ich irgendwelche Musik höre.
volles Haus auf der Finca mit Onkels, Tanten, Cousinen, Oma, Opa,...
(waren bestimmt so 40 Leute, und das war nur so ein halber Teil
der ganzen Familie)
-typische ecuadorianische Familienfeier: Essen, Tratschen, Alkohol, Tanzen
Es war ein schlammiges aber wunderschönes Fest, bei dem ich meine Familie mal so richtig kennenlernen konnte. Die sind alle so nett und total interessiert an mir. Ich fühle mich einfach richtig wohl in meiner neuen Familie und bereue keinen einzigen Moment, dass ich diesen Schritt mit dem Familienwechsel gemacht habe.
Meine Gasteltern nenne ich auch schon Mama und Papa und das bedeutet was. In meiner alten Familie habe ich das zum Beispiel nicht gemacht. Aber jetzt in meiner neuen Familie sind meine Eltern wirklich wie echte Eltern für mich und das macht einem alles viel einfacher. Ich fühle mich total zuhause bei meiner neuen Familie.
Ich will es nicht wahrhaben, dass nur noch 4 Monate fehlen, bis hier alles vorbei ist. Daran versuche ich aber nicht zu denken und genieße die Zeit perfekt mit meinem Bruder und dem ganzen Rest.

Die Cousins und Cousinen (komplett sind wir 18 Stück - vgl. in meiner deutschen Familie habe ich einen einzigen Cousin)
sind hier in Ecuador wie beste Freunde und unternehmen dadurch auch echt viel zusammen

Das waren also meine Faschingstage, komplett anders, aber verdammt schön.
Viel mehr gibt es jetzt auch nicht mehr zu sagen, es ist nun mal Ferienzeit, da wird allgemein schön entspannt, mit Freunden getroffen, gegessen, Sport gemacht, geschlafen, geschlafen und geschlafen...
Ich berichte aber natürlich weiter, wenn es wieder was zu berichten gibt.
Bis dahin, meine geliebten Leute die sich wirklich meine ewigen langweiligen Texte durchlesen, passt auf euch auf.
(Ach ja und lest euch bitte weiter meine Texte durch ;) Ich hoffe doch mal, so langweilig ist das alles hier gar nicht...
Wenn doch, dann behaltet es bei euch, sonst fühle ich mich echt gekränkt). Spaß beiseite.

Macht es gut! Adios!
Euer Jona

Samstag, 6. Februar 2016

Wichtige News - Familie gewechselt!

Hallöchen alle ihr da draußen!


Ich habe mich jetzt echt lange nicht mehr gemeldet, es gab einfach nichts wirklich Spannendes mehr zu berichten. Alles war normal, Alltag und wieder Alltag.

Im Hintergrund, ohne dass es viele mitbekommen haben, hat mich doch eine Sache sehr beschäftigt, eine wichtige Entscheidung. Und zwar wollte ich die Familie wechseln...
Ich erkläre euch jetzt aber mal genau, wie das gekommen ist, habe es die ganze Zeit ja echt ziemlich geheim gehalten. Man weiß ja nie, wer so meinen Blog liest, und das wäre eher kontraproduktiv, wenn am Ende jemand aus meiner ecuadorianischen Familie von meiner tollen Idee mitbekommen würde.
Als mir die Idee kam, gab es natürlich so einige Gründe dafür. Wie ihr ja schon wusstet, ist mein Gastvater sehr beschäftigt mit seiner Arbeit, seinem Milchshakegetränk, dass in ganz Ecuador bekannt ist. Er ist eigentlich nie zuhause: Arbeitet montags bis sonntags, von morgens bis abends. Oft verbringt er auch viel Zeit außerhalb der Stadt und ist dann viele Tage nicht bei seiner Familie.
Zweiter schwerer Punkt waren meine Geschwister. Nein, ich habe sie total gern, wir verstehen uns perfekt. Das Schwere war eher gesagt ihr Alter. Beide sind 6 und 8 Jahre alt. Damit kann man in meinem Alter echt nicht viel anfangen, außer mal ein wenig spielen, Scheiße bauen und im Park kicken. Auf lange Zeit wird das natürlich ziemlich langweilig.
Auf diesem Foto war mein Brüderchen 2 Tage alt,
aber konnte schon verdammt gekonnt
auf seinem ersten Selfie in seinem Leben posen


Jetzt ist im Dezember auch noch mein neuer Gastbruder geboren, das hieß nochmal mehr Arbeit und nochmal weniger Zeit, etwas mit der Familie zu starten.

Ich kann mein Auslandsjahr natürlich durchgehend in meinem Zimmer verbringen und nicht viel unternehmen mit meiner Familie. So bin ich aber nicht und das hat mir immer ein schlechtes Gefühl gegeben, wenn ich lange Zeit einfach in meinem Zimmer war und nichts wirklich gemacht habe. Da denke ich mir dann immer, dass ich schon wieder einige wertvolle Stunden in meinem Jahr ans Nichtstun verschenkt habe.
Weil wir wie gesagt mit der Familie nie etwas unternommen habe, liegt es doch auf der Hand, dass ich rausgehen muss, um Freunde zu treffen. Meinen Gasteltern hat das aber nie so richtig gefallen...
Durch das alles war ich schon echt lange mit dem Gedanken beschäftigt, ob ich nun die Familie wechseln sollte oder nicht. Ich war mir aber nie so richtig sicher, ob meine Gründe für die Organisation ausreichen würden und hatte auch nie so richtig eine eventuelle neue Familie im Blick. Ich wollte nie eine neue Familie von der Organisation direkt zugeteilt bekommen. Wer weiß, ob eine für mich unbekannt Familie das alles besser machen kann. Auch habe ich meine Gastbrüder echt lieb gewonnen und wollte sie nicht einfach so verlassen. Ich war wirklich hin- und hergerissen.
Über das alles habe ich immer nur mit meinen besten Freunden hier und meiner Familie in Deutschland geredet. Irgendwann kam dann mein bester Freund auf die Idee, warum ich denn nicht zu ihm ziehen wolle. Ab diesem Moment, ab diesem Angebot hat mich echt die Motivation gepackt, jetzt endlich was zu bewegen und mein Auslandsjahr perfekt für mich zu machen.
Mitte Dezember habe ich dann das erste Mal mit der Person von YFU über alles geredet. Bis jetzt ist viel Zeit vergangen mit Gesprächen, Telefonaten und Unterlagen. Nachdem ich öfters mal auf die Organisation einreden musste, dass ich doch jetzt endlich mal wechseln möchte, hat es vergangene Woche endlich geklappt. Wir haben ein Gespräch mit meinen Gasteltern, der Organisationstante und mir ausgemacht. 
Ich habe einige Tage vorher schon gewusst, dass dieser Mittwoch der Auszugstag sein wird und habe schon mal unauffällig meine Sachen (viel zu viele Sachen, wie ein Frauenhaushalt) gepackt und alles sauber gemacht. 
In einer halben Stunde haben wir beide meiner Familie die Situation erklärt. Es ist echt gut verlaufen, meine Eltern haben mich verstanden und mir ganz lieb gesagt: "Jona, das hier ist immer noch für immer dein Haus, wir sind deine Familie, du kannst immer wiederkommen, wann du willst". Das hat mich super glücklich gemacht. So habe ich mir das immer gewünscht, dass wir so gut auseinander kommen. Auf jeden Fall werde ich meiner alten Familie immer mal einen Besuch abstatten, um ein wenig Zeit mit ihnen zu verbringen. Nach 5 Monaten sind die mir alle doch schon echt ans Herz gewachsen.
Es hat also alles wie vorgestellt geklappt und ich bin direkt nach dem Gespräch mit meinem Hausstand ausgezogen. Das alles war für meine (jetzt Ex-)Familie wirklich sehr überraschend und glaube auch echt traurig. Naja was soll man machen, ich habe mein halbes Auslandsjahr bei ihnen eine tolle Zeit verbracht und jetzt musste sich für die letzte Hälfte doch mal was ändern.

Dann kam der Abschied...
ja war schon ein wenig traurig...
Wir Brüder hatten aber echt keine Lust das letzte Foto auch traurig zu gestalten, also kamen da diese zwei Fotos mit diesen bildhübschen Kerlen raus.


Links zwei stolze Onkel,
rechts unser Neffe und Prinz des Hauses Alejandro
Ich wohne nun, wie gesagt bei meinem Kumpel und jetzt Bruder Diego. Richtig entspannt meine neue Familie. Meine beiden neuen Eltern Miriam und Wilfrido (Wilo) sind total nett. Insgesamt habe ich zwei Brüder, Diego (17 Jahre) und Wilo (24 Jahre), und dann ist da noch mein Neffe Alejandro (fast 2 Jahre), der das Haus unsicher macht. Ja wirklich, ich mit meinen 16 Jahren bin schon Onkel, ganz stolzer Onkel.
Richtig lieb sind alle zu mir, Diego teilt sogar extra sein Zimmer mit mir, dass ich bei ihnen unterkommen kann. Diese Gastfreundschaft hier ist unglaublich.
Mit Brüderchen Diego
Ich finde es einfach feierlich einen Freund auf einmal als seinen Bruder zu haben. Das wird eine geile Zeit! Vor allem haben diese Woche die Ferien angefangen, verdammte 3 Monate Ferien. Das nenne ich Leben! Das sind dann jetzt ja wirklich 3 Monate Ferien aufm Äquator, kann man mal machen, kann man sich mal gönnen.
Kollegen in Deutschland bei kaltem grauen Wetter und Arbeit, ich fühle mit euch und stehe euch in dieser schwierigen Zeit bei.

Mit meinem neuen Bruder verbringe ich zwar auch viel Zeit im Haus, es ist aber was ganz anderes, ob man alleine Zeit im Haus verbringt und sich langweilt oder ob man mit einem gleichaltrigen Bruder abhängt und sich einfach wohlfühlt.
Mit Diego geht jetzt die Arbeit los
Mit ihm habe ich mir aber auch was Fettes eingebrockt: täglich Crossfit und Fitnessstudio. Die Ferienzeit wird also doch nicht ganz so entspannt... Ich kann das aber echt gut gebrauchen, wie ich nach meinem ersten Crossfittag gemerkt habe. Ich konnte 3 Tage am Stück nicht mehr gerade laufen. Das sah so aus, als würde ich mich das erste mal in Highheels probieren, so heftig haben meine Beine nach diesem Training geschmerzt.

Das nächste große Event kommt jetzt, Karneval! Da freu ich mich schon mega drauf. Ich fahre mit Diego und Freunden an den Strand, um da dann Fiesta pur zu machen. Ich stelle mir Karneval hier echt als große Sache vor (Karneval und Südamerika, das hat was zu bedeuten, man denkt da zum Beispiel mal an Rio de Janeiro und Karneval, oh yeah).

Ansonsten sind wir gerade am Planen einer eventuellen Reise auf die Galapagosinseln. Das wäre die krankeste Traumerfüllung, die es für mich geben kann, wenn wir das hinbekommen würden. Diesen Teil von Ecuador muss ich einfach gesehen haben.
Ende diesen Monats gehts mit der Organisation auf Vulkanreise, das komplette Gebirge abklappern, dort habe ich nämlich echt noch nicht viel gesehen. Mal sehn ob uns der eine oder andere Vulkan mit Lava bespuckt. Am Ende komme ich dann als gegrilltes ecuadorianisches Meerschweinchen nachhause.
Ganz viel Ferien bedeutet bei uns auch ganz viele Pläne.
Ich berichte dann natürlich, um euch alle so richtig heftig neidisch zu machen.

Den Februar/März über werde ich übrigens einen Monat freiwillige soziale Arbeit leisten. Ehrlich gesagt keine Ahnung, was mich da so erwartet und was ich machen muss (das liegt da dran, dass ich Schlaufuchs immer noch nichts gefunden habe), aber bekanntlicherweise bin ich ja offen für alles. Wer sich schon nach Ecuador für ein Jahr wagt, der lässt sich auf verdammt viel Abenteuer ein, dann ist ein wenig soziale Arbeit doch auch ganz easy gemacht!

Schneller Themenwechsel!:
Da euch bestimmt interessiert, wie die die Leute und Freunde so in meinem Alter hier sind, hier habt ihr die beste Präsentation von uns, ein Fotoalbumreifes Klassenfoto von unser "kleinlichen" Klasse:


Alles in allem bin ich gerade einfach nur glücklich wie es gekommen ist. Ich habe aus ziemlich eigener Kraft meine Familie gewechselt und darf jetzt bei wunderbaren Menschen im Haus wohnen, was will man mehr? Ich auf jeden Fall bin glücklich.
Alle möglichen Wechsel habe ich natürlich mal wie immer voll ausgelutscht: Schule und jetzt Familie.
Ich mache es mir wirklich nicht einfach, aber ich mache es mir so wie ich es haben will, und ich will es perfekt. Jetzt ist es perfekt und ich bin ruhig und nerve euch nicht mehr mit meinen schlimmen Qualen und Problemen ;)


Mit diesen ganzen Neuigkeiten lasse ich euch jetzt wirklich in Ruhe. Ich melde mich bald wieder, verspreche aber, dass ich euch so News wie heute nie mehr liefern werde.
Grüßt mir den Winter und passt auf, dass ihr euch keinen Schnupfen holt.

Bis ziemlich bald,
Euer Jona

P.S.: Grüße von meiner neuen Familie an meine Fangemeinschaft!
(meine Freunde der Nacht,immer mit der Ruhe, Familienfotos kommen dann, wenn es welche gibt)

Samstag, 9. Januar 2016

Feliz Navidad y Próspero Año Nuevo

"Frohe Weihnachten und ein frohes neues Jahr", so hat man sich in Deutschland die letzten Wochen begrüßt und beglückwünscht. Hier hat man auch noch bis vor kurzem 
"Feliz Navidad y Próspero Año Nuevo" gehört. 
Andere Sprache bedeutet auch fast immer andere Sitten, aber dass Weihnachten und Silvester hier in Ecuador wirklich so komplett anders als in Deutschland gefeiert wird, das hätte ich nie gedacht.
Eigentlich könnte man ja glauben:
Deutschland = christliches Land ; Ecuador = christliches Land -> relativ gleiche Weihnachtsbräuche
So ist das aber ganz und gar nicht...

Weihnachten fängt hier für uns schon viele viele Wochen vorher an. Der Plastikweihnachtsbaum wird mindestens einen Monat vorher aufgestellt, kann ja nicht vertrocknen ;)
Allgemein irgendwie interessant, wie man sich hier alles von Europa und Nordamerika abgeguckt hat:
Es werden Tannenbäume aufgestellt, obwohl die hier nicht wachsen und es wird auch alles mit Schnee und Schneemännern dekoriert, und das obwohl man bei 30 Grad das ganze Jahr niemals Schnee sieht.
Aber das war auch gut so, das gab mir so ein ganz ganz kleines Weihnachtsgefühl, das war es dann aber auch.

In der öffentl. Schule - Dieses Foto musste ich einfach machen,
diese Augenbrauenfrisur vom Kollegen links hat mich irgendwie fasziniert
Mit meiner Klasse haben wir eine öffentliche Grundschule (das bedeutet in Ecuador pure Armut) im ärmsten Stadtteil Santo Domingos besucht, um mit den Kindern zu spielen, singen, tanzen, basteln und am Ende auch noch Essen, Trinken und Süßigkeiten zu verschenken. Das war echt mal eine krasse aber spannende Erfahrung.
Irgendwann war es dann soweit, der 24. Dezember war da, ein bisschen unerwartet, ich hatte gar nicht mehr vor Augen, dass Weihnachten so schnell da ist.
Der Tag war echt ein wenig komisch. Ich habe den ganzen lieben langen Tag im Haus gewartet, bis mal was passiert. Alles war ganz normal, alle haben nichts spannendes gemacht, zur Arbeit gehen, Fernsehn gucken, Hausaufgaben machen und Reis essen. Ich hatte kurz sogar die Befürchtung, ich hätte mich vielleicht am Datum vertan, aber Abends um 11 Uhr abends gings dann doch endlich rüber zu den Nachbarn. Es kamen Familie, Freunde und auch eher unbekannte Personen, jedermann kann kommen. Also nicht so wie gewohnt, dass an Heilig Abend nur die engste Familie zusammen verbringt.
Ich dachte, es ist Weihnachten, also zieh ich mich mal schön elegant an. Als ich dann rüber kam, war da viele im Alltags-Schlabberlook, kurze Hose, Tshirt. Wieso auch nicht...
Um 24 Uhr isst man dann traditionell Truthahn, das hat bei uns aber irgendwie nicht so geklappt. Jemand hat dann noch schnell ein fertiges halbes Spanferkel gekauft und das haben wir dann von Papptellern und mit Plastikbesteck vernichtet, begleitet von einem Becher Cola.
Ab dem Zeitpunkt war ich auf alles gefasst. Ich habe eingesehen, dass diese Weihnachten ein ganz wenig anders werden.
Nach dem Essen haben die Oldies dann den Sauf gestartet.
Mein Cousin ist dann mit mir von Hausparty zu Hausparty geflüchtet und überall war es Pflicht, mit zu saufen. Auch nicht schlecht ;) Um 5 Uhr morgens sind wir dann wieder zurück gekommen und ich hatte das Gefühl, dass Weihnachten vorbei wäre und alle schon in ihren Betten schlafen würden. Zum wiederholten Male an diesem Abend falsch gedacht. Die komplette Truppe war immer noch am Party machen und es wurde schon kräftig getanzt. Ich bin dann irgendwann schlafen gegangen und morgens um 11 entspannt aufgewacht und ich konnte meinen Ohren kaum glauben: Gegenüber bei den Nachbarn wurde immer noch gesoffen, getanzt und gesungen (okay, jetzt war es schon eher grölen). So Fiestas seien aber normal bei Kolumbianern, erklären mir immer alle ecuadorianischen Freunde, die hätten bei Partys immer ein sehr langes Durchhaltevermögen. Das habe ich jetzt mit eigenen Augen gesehen.

So habe ich also meine Weihnachten verbracht, anders, aber auf keinen Fall enttäuschend, ich fand es zwischenzeitlich einfach nur lustig, was man aus einem hoch-religiösen Fest so zaubern kann.
Es ist jetzt aber nicht so, dass das die typischen ecuadorianischen Weihnachten sind, die ich euch da geschildert habe. Es hängt vollkommen von der Familie ab, wie hier Weihnachten gefeiert wird, bei meiner Familie wurde es dann also letztendlich zu einem rauschenden Fest.

Die Weihnachtsfeiertage wird nichts spannendes mehr gemacht, nicht mal wird sich gegenseitig geschenkt. In Europa ist das für viele ja der wichtigste Punkt an Weihnachten.
Cuy - gegrilltes Meerschweinchen
Am ersten Weihnachtsfeiertag bin ich mit Freunden mit dem Fahrrad auf eine Finca gefahren und da hab ich endlich endlich endlich das typischste ecuadorianische Essen gegessen, gegrilltes Meerschweinchen (Cuy). Ich war wirklich so aufgeregt, weil ich schon seit Deutschland diesen Traum gehabt habe, mir einmal ein Meerschweinchen reinzuhauen. Schmeckt echt gut, hat einen eigenen Geschmack. Ist nicht allzu spannend, muss man aber trotzdem gegessen haben, wenn man es bis Ecuador geschafft hat.


Grade Weihnachten hinter uns kam dann auch schon direkt Silvester. Mit zwei Gastschülern und einigen Freunden gings über diese Zeit auf Reise, so wie das in Ecuador traditionell üblich ist.
Zuerst gings nach Baños in die Sierra (Anden) und dann nach Portoviejo an die Costa (Küste).

Das Örtchen "Baños de Agua Santa"  ("Bäder des heiligen Wassers") liegt am Fuß vom Vulkan Tungurahua (5016m). Der Ort ist perfekt gelegen mit unendlichen Touristenattraktionen und Thermalbädern die durch schwefelhaltige heiße Quellen gefüllt werden. Diese Bäder haben wir natürlich direkt getestet und man hat sich wirklich wie nen Hühnchen in kochender Gemüsebrühe gefühlt. Unglaublich heiß aber sowas von entspannt.
Wir haben uns die zwei Tage Quadbikes gemietet, um die komplette Umgebung selber erkunden zu können.
Das ist dabei rausgekommen... Kann man sich schon mal gönnen ;)




In Baños gibt es Wasserfälle bis zum umkippen, der berühmteste ist der "Pailon del Diablo", die Schlucht des Teufels, in dessen Mitte ein Stein in der Form eines Teufelkopfes sein soll.
Haben wir natürlich direkt mal ausgecheckt. Haben den bösen Teufel zwar nicht gefunden, das war uns aber bei diesem krassen Ort egal.














Mit den Quads auf Offroad - Erkundungstour











Mit Hugo, mein bester Freund hier (Gastbruder von der anderen Deutschen)





Auf diese rote Gondel haben wir uns wirklich getraut
wir vertrauen schließlich 100% auf die 1A ecuadorianschen Sicherheitsstandards







La Casa del Arbol----------------------------Das Baumhaus



El Columpio El Vuelo Del Condor      -----      Die Schaukel des Kondorfluges      

Diese zwei Tage waren echt so verdammt geil. Damit hätte ich den nächsten wichtigen Ort in Ecuador abgehakt, Check!
Den nördlichen Teil von Ecuador habe ich jetzt echt schon ziemlich gut abgearbeitet, fehlt aber noch viel viel im Süden und natürlich die Galapagosinseln. Mir fehlen jetzt noch 5 1/2 Monate, davon entspannte 3 Monate Ferien, hoffe da lässt sich nochmal das ein oder andere entdecken. Mit Ecuador kann man nie abschließen und es ist unmöglich, man wird nie behaupten können, man kenne ganz Ecuador. Es gibt einfach so zu unendlich viele wunderbare Orte hier und das liebe ich an diesem Land. Man muss nicht wie in Deutschland immer aus dem Land raus, um mal was zu sehen. Hier ist alles, alles mitten drin in Ecuador.
Übrigens kennt hier so gut wie niemand andere Länder, maximal noch Kolumbien, weils gerade nebenan liegt. Das hat man hier einfach nicht nötig. In den Ferien bleibt man standardmäßig immer im Land.

Da uns ja gerade die Reiselust gepackt hat, gings dann auch direkt weiter an die Küste (traditionell trifft sich komplett Ecuador an Neujahr am Strand) nach Portoviejo, diesmal mit der Gastfamilie von Alicia zum Opa.
Silvesterabend kommt dann auch noch mehr Familie und Freunde, es wird groß gegessen und dann verbrennt man einen "año viejo". Das ist immer eine Figur aus Pappmaschee, die man sich ausgesucht hat, um mit dieser Person oder Figur aus dem alten Jahr abzuschließen.
Wir haben die Tristessa, die Traurigkeit (Figur aus einem Film), verbrannt.
Ich würde niemals auf die Idee kommen, so ein Kunstwerk, ewige Arbeit, einfach so zu verbrennen... War aber echt mal was neues und auch eigentlich das einzige Unterschiedliche zu Silvester in Deutschland.
Obwohl eine Sache gibt es noch: Um 12 Uhr isst jeder 12 Weintrauben und wünscht sich bei jeder Traube etwas. Dieser Brauch wird praktisch überall produziert und ist durch nichts ersetzbar.
Am Strand mit meiner zweit-Gastfamilie
Weiter in der Nacht gibt es natürlich noch viel Feuerwerk und Partys, so wie wir das auch kennen. Wir haben den Abend aber einfach in Ruhe verbracht, ein wenig getrunken und geredet.

Am nächsten Tag, am 1., pilgert dann komplett Ecuador an den Strand und verbringt dort den Tag. So haben wir das auch gemacht.
Das ist doch schon immer
ein Traum gewesen:
Kokosnüsse von einer Palme holen



Stadtstrand von Manta immernoch voller Menschen
Am 2. Januar gings dann nach Manta, für mich und viele hier, die perfekteste Stadt: groß, schön und direkt am Meer gelegen mit Traumstränden und nach Montecristi, einem kleinen hässlichen Ort, der aber sehr wichtig für Ecuador ist.

Montecristi ist vor allem für die Produktion der berühmten Panamahüte bekannt. 
Der Panamahut kommt nämlich nicht aus Panama (wurde dort nur verkauft oder halt verschifft) sondern aus Ecuador, ganz genau aus Montecristi. Die qualitativ hochwertigsten Hüte nennt man daher auch montecristi superfino. 


stolzer Besitzer eines
Montecristi-Hutes
Ich dachte mir, wenn ich schon mal dort bin, dann bin ich auch verpflichtet zwei von diesen Hüten zu kaufen. Habe mir die billigsten Made-in-Montecristi-Hüte für je 30 Dollar gekauft. Spottbillig wenn man sich überlegt, dass die Flechter für einen einzigen von denen 1-2 Wochen reine Arbeit benötigen.
In Deutschland kann ich so einen Hut schon für über 100 Euro verkaufen. Der teuerste Hut (montecristi superfino) kostet hier ca. 1000 Dollar (8 Monate flechten) und kann in Deutschland für ungefähr 5000 Euro verkauft werden. Ich glaube, ich weiß schon, wie ich dieses Auslandsjahr finanzeren werde: 2 Strohhüte und schon hat man es. Also wer Bock auf einen Hut hat, der melde sich!
In Montecristi fand auch die Verfassunggebende Versammlung Ecuadors 2007/08 im Konferenzzentrum Ciudad Alfaro statt, benannt nach dem berühmtesten Sohns der Stadt und einer der wichtigsten Personen in der Geschichte Ecuadors, Eloy Alfaro (1842–1912), Präsident Ecuadors 1895/1901 und 1906/1911.


Nach diesem Kulturprogramm und tollen Tagen gings dann wieder nach Santo Domingo in den Alltag zurück, die Schule hat angefangen und alles ist wieder wie gewohnt...

Andere fahren in diesen Ferien in den Skiurlaub und andere fahren bei 35 Grad an den Strand. Kann man mal machen. In diesem Jahr ist sowieso alles so komplett anders und einfach wunderbar. Das einzige Problem: die Zeit vergeht so schnell, bald ist einfach schon Halbzeit... Aber wir sind optimistisch:
Das Glas ist nicht nur noch halb leer, sondern immernoch halb voll :)


In diesem Sinne, entspannt, braungebrannt und gutaussehend wie immer, Adios!

Hasta la proxima vez! - Bis zum nächsten Mal!
Genießt die paar Schneeflocken die es jetzt ja endlich, bisschen verspätet, bei euch geben soll.

Passt auf euch auf,

euer Jona

Die Sicht am "Casa del Arbol" hat mich im Griff