"Frohe Weihnachten und ein frohes neues Jahr", so hat man sich in Deutschland die letzten Wochen begrüßt und beglückwünscht. Hier hat man auch noch bis vor kurzem
"Feliz Navidad y Próspero Año Nuevo" gehört.
Andere Sprache bedeutet auch fast immer andere Sitten, aber dass Weihnachten und Silvester hier in Ecuador wirklich so komplett anders als in Deutschland gefeiert wird, das hätte ich nie gedacht.
Eigentlich könnte man ja glauben:
Deutschland = christliches Land ; Ecuador = christliches Land -> relativ gleiche Weihnachtsbräuche
So ist das aber ganz und gar nicht...
Weihnachten fängt hier für uns schon viele viele Wochen vorher an. Der Plastikweihnachtsbaum wird mindestens einen Monat vorher aufgestellt, kann ja nicht vertrocknen ;)
Allgemein irgendwie interessant, wie man sich hier alles von Europa und Nordamerika abgeguckt hat:
Es werden Tannenbäume aufgestellt, obwohl die hier nicht wachsen und es wird auch alles mit Schnee und Schneemännern dekoriert, und das obwohl man bei 30 Grad das ganze Jahr niemals Schnee sieht.
Aber das war auch gut so, das gab mir so ein ganz ganz kleines Weihnachtsgefühl, das war es dann aber auch.
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In der öffentl. Schule - Dieses Foto musste ich einfach machen,
diese Augenbrauenfrisur vom Kollegen links hat mich irgendwie fasziniert |
Mit meiner Klasse haben wir eine öffentliche Grundschule (das bedeutet in Ecuador pure Armut) im ärmsten Stadtteil Santo Domingos besucht, um mit den Kindern zu spielen, singen, tanzen, basteln und am Ende auch noch Essen, Trinken und Süßigkeiten zu verschenken. Das war echt mal eine krasse aber spannende Erfahrung.
Irgendwann war es dann soweit, der 24. Dezember war da, ein bisschen unerwartet, ich hatte gar nicht mehr vor Augen, dass Weihnachten so schnell da ist.
Der Tag war echt ein wenig komisch. Ich habe den ganzen lieben langen Tag im Haus gewartet, bis mal was passiert. Alles war ganz normal, alle haben nichts spannendes gemacht, zur Arbeit gehen, Fernsehn gucken, Hausaufgaben machen und Reis essen. Ich hatte kurz sogar die Befürchtung, ich hätte mich vielleicht am Datum vertan, aber Abends um 11 Uhr abends gings dann doch endlich rüber zu den Nachbarn. Es kamen Familie, Freunde und auch eher unbekannte Personen, jedermann kann kommen. Also nicht so wie gewohnt, dass an Heilig Abend nur die engste Familie zusammen verbringt.
Ich dachte, es ist Weihnachten, also zieh ich mich mal schön elegant an. Als ich dann rüber kam, war da viele im Alltags-Schlabberlook, kurze Hose, Tshirt. Wieso auch nicht...
Um 24 Uhr isst man dann traditionell Truthahn, das hat bei uns aber irgendwie nicht so geklappt. Jemand hat dann noch schnell ein fertiges halbes Spanferkel gekauft und das haben wir dann von Papptellern und mit Plastikbesteck vernichtet, begleitet von einem Becher Cola.
Ab dem Zeitpunkt war ich auf alles gefasst. Ich habe eingesehen, dass diese Weihnachten ein ganz wenig anders werden.
Nach dem Essen haben die Oldies dann den Sauf gestartet.
Mein Cousin ist dann mit mir von Hausparty zu Hausparty geflüchtet und überall war es Pflicht, mit zu saufen. Auch nicht schlecht ;) Um 5 Uhr morgens sind wir dann wieder zurück gekommen und ich hatte das Gefühl, dass Weihnachten vorbei wäre und alle schon in ihren Betten schlafen würden. Zum wiederholten Male an diesem Abend falsch gedacht. Die komplette Truppe war immer noch am Party machen und es wurde schon kräftig getanzt. Ich bin dann irgendwann schlafen gegangen und morgens um 11 entspannt aufgewacht und ich konnte meinen Ohren kaum glauben: Gegenüber bei den Nachbarn wurde immer noch gesoffen, getanzt und gesungen (okay, jetzt war es schon eher grölen). So Fiestas seien aber normal bei Kolumbianern, erklären mir immer alle ecuadorianischen Freunde, die hätten bei Partys immer ein sehr langes Durchhaltevermögen. Das habe ich jetzt mit eigenen Augen gesehen.
So habe ich also meine Weihnachten verbracht, anders, aber auf keinen Fall enttäuschend, ich fand es zwischenzeitlich einfach nur lustig, was man aus einem hoch-religiösen Fest so zaubern kann.
Es ist jetzt aber nicht so, dass das die typischen ecuadorianischen Weihnachten sind, die ich euch da geschildert habe. Es hängt vollkommen von der Familie ab, wie hier Weihnachten gefeiert wird, bei meiner Familie wurde es dann also letztendlich zu einem rauschenden Fest.
Die Weihnachtsfeiertage wird nichts spannendes mehr gemacht, nicht mal wird sich gegenseitig geschenkt. In Europa ist das für viele ja der wichtigste Punkt an Weihnachten.
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| Cuy - gegrilltes Meerschweinchen |
Am ersten Weihnachtsfeiertag bin ich mit Freunden mit dem Fahrrad auf eine Finca gefahren und da hab ich endlich endlich endlich das typischste ecuadorianische Essen gegessen, gegrilltes Meerschweinchen (Cuy). Ich war wirklich so aufgeregt, weil ich schon seit Deutschland diesen Traum gehabt habe, mir einmal ein Meerschweinchen reinzuhauen. Schmeckt echt gut, hat einen eigenen Geschmack. Ist nicht allzu spannend, muss man aber trotzdem gegessen haben, wenn man es bis Ecuador geschafft hat.
Grade Weihnachten hinter uns kam dann auch schon direkt Silvester. Mit zwei Gastschülern und einigen Freunden gings über diese Zeit auf Reise, so wie das in Ecuador traditionell üblich ist.
Zuerst gings nach Baños in die Sierra (Anden) und dann nach Portoviejo an die Costa (Küste).
Das Örtchen "Baños de Agua Santa" ("Bäder des heiligen Wassers") liegt am Fuß vom Vulkan Tungurahua (5016m). Der Ort ist perfekt gelegen mit unendlichen Touristenattraktionen und Thermalbädern die durch schwefelhaltige heiße Quellen gefüllt werden. Diese Bäder haben wir natürlich direkt getestet und man hat sich wirklich wie nen Hühnchen in kochender Gemüsebrühe gefühlt. Unglaublich heiß aber sowas von entspannt.
Wir haben uns die zwei Tage Quadbikes gemietet, um die komplette Umgebung selber erkunden zu können.
Das ist dabei rausgekommen... Kann man sich schon mal gönnen ;)
In Baños gibt es Wasserfälle bis zum umkippen, der berühmteste ist der
"Pailon del Diablo", die Schlucht des Teufels, in dessen Mitte ein Stein in der Form eines Teufelkopfes sein soll.
Haben wir natürlich direkt mal ausgecheckt. Haben den bösen Teufel zwar nicht gefunden, das war uns aber bei diesem krassen Ort egal.
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| Mit den Quads auf Offroad - Erkundungstour |
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| Mit Hugo, mein bester Freund hier (Gastbruder von der anderen Deutschen) |
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Auf diese rote Gondel haben wir uns wirklich getraut
wir vertrauen schließlich 100% auf die 1A ecuadorianschen Sicherheitsstandards |

La Casa del Arbol----------------------------Das Baumhaus
El Columpio El Vuelo Del Condor ----- Die Schaukel des Kondorfluges
Diese zwei Tage waren echt so verdammt geil. Damit hätte ich den nächsten wichtigen Ort in Ecuador abgehakt,
Check!
Den nördlichen Teil von Ecuador habe ich jetzt echt schon ziemlich gut abgearbeitet, fehlt aber noch viel viel im Süden und natürlich die Galapagosinseln. Mir fehlen jetzt noch 5 1/2 Monate, davon entspannte 3 Monate Ferien, hoffe da lässt sich nochmal das ein oder andere entdecken. Mit Ecuador kann man nie abschließen und es ist unmöglich, man wird nie behaupten können, man kenne ganz Ecuador. Es gibt einfach so zu unendlich viele wunderbare Orte hier und das liebe ich an diesem Land. Man muss nicht wie in Deutschland immer aus dem Land raus, um mal was zu sehen. Hier ist alles, alles mitten drin in Ecuador.
Übrigens kennt hier so gut wie niemand andere Länder, maximal noch Kolumbien, weils gerade nebenan liegt. Das hat man hier einfach nicht nötig. In den Ferien bleibt man standardmäßig immer im Land.

Da uns ja gerade die Reiselust gepackt hat, gings dann auch direkt weiter an die Küste (traditionell trifft sich komplett Ecuador an Neujahr am Strand) nach Portoviejo, diesmal mit der Gastfamilie von Alicia zum Opa.
Silvesterabend kommt dann auch noch mehr Familie und Freunde, es wird groß gegessen und dann verbrennt man einen "año viejo". Das ist immer eine Figur aus Pappmaschee, die man sich ausgesucht hat, um mit dieser Person oder Figur aus dem alten Jahr abzuschließen.
Wir haben die Tristessa, die Traurigkeit (Figur aus einem Film), verbrannt.
Ich würde niemals auf die Idee kommen, so ein Kunstwerk, ewige Arbeit, einfach so zu verbrennen... War aber echt mal was neues und auch eigentlich das einzige Unterschiedliche zu Silvester in Deutschland.
Obwohl eine Sache gibt es noch: Um 12 Uhr isst jeder 12 Weintrauben und wünscht sich bei jeder Traube etwas. Dieser Brauch wird praktisch überall produziert und ist durch nichts ersetzbar.
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| Am Strand mit meiner zweit-Gastfamilie |
Weiter in der Nacht gibt es natürlich noch viel Feuerwerk und Partys, so wie wir das auch kennen. Wir haben den Abend aber einfach in Ruhe verbracht, ein wenig getrunken und geredet.
Am nächsten Tag, am 1., pilgert dann komplett Ecuador an den Strand und verbringt dort den Tag. So haben wir das auch gemacht.
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Das ist doch schon immer
ein Traum gewesen:
Kokosnüsse von einer Palme holen |
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| Stadtstrand von Manta immernoch voller Menschen |
Am 2. Januar gings dann nach Manta, für mich und viele hier, die perfekteste Stadt: groß, schön und direkt am Meer gelegen mit Traumstränden und nach Montecristi, einem kleinen hässlichen Ort, der aber sehr wichtig für Ecuador ist.
Montecristi ist vor allem für die Produktion der berühmten Panamahüte bekannt.
Der Panamahut kommt nämlich nicht aus Panama (wurde dort nur verkauft oder halt verschifft) sondern aus Ecuador, ganz genau aus Montecristi. Die qualitativ hochwertigsten Hüte nennt man daher auch montecristi superfino.
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stolzer Besitzer eines
Montecristi-Hutes |
Ich dachte mir, wenn ich schon mal dort bin, dann bin ich auch verpflichtet zwei von diesen Hüten zu kaufen. Habe mir die billigsten Made-in-Montecristi-Hüte für je 30 Dollar gekauft. Spottbillig wenn man sich überlegt, dass die Flechter für einen einzigen von denen 1-2 Wochen reine Arbeit benötigen.
In Deutschland kann ich so einen Hut schon für über 100 Euro verkaufen. Der teuerste Hut (montecristi superfino) kostet hier ca. 1000 Dollar (8 Monate flechten) und kann in Deutschland für ungefähr 5000 Euro verkauft werden. Ich glaube, ich weiß schon, wie ich dieses Auslandsjahr finanzeren werde: 2 Strohhüte und schon hat man es. Also wer Bock auf einen Hut hat, der melde sich!
In Montecristi fand auch die Verfassunggebende Versammlung Ecuadors 2007/08 im Konferenzzentrum Ciudad Alfaro statt, benannt nach dem berühmtesten Sohns der Stadt und einer der wichtigsten Personen in der Geschichte Ecuadors, Eloy Alfaro (1842–1912), Präsident Ecuadors 1895/1901 und 1906/1911.
Nach diesem Kulturprogramm und tollen Tagen gings dann wieder nach Santo Domingo in den Alltag zurück, die Schule hat angefangen und alles ist wieder wie gewohnt...
Andere fahren in diesen Ferien in den Skiurlaub und andere fahren bei 35 Grad an den Strand. Kann man mal machen. In diesem Jahr ist sowieso alles so komplett anders und einfach wunderbar. Das einzige Problem: die Zeit vergeht so schnell, bald ist einfach schon Halbzeit... Aber wir sind optimistisch:
Das Glas ist nicht nur noch halb leer, sondern immernoch halb voll :)
In diesem Sinne, entspannt, braungebrannt und gutaussehend wie immer, Adios!
Hasta la proxima vez! - Bis zum nächsten Mal!
Genießt die paar Schneeflocken die es jetzt ja endlich, bisschen verspätet, bei euch geben soll.
Passt auf euch auf,
euer Jona
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| Die Sicht am "Casa del Arbol" hat mich im Griff |